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Plakat zur Austellung

 

 

Shibam im Jemen © Katharina Eglau

Shibam im Jemen © Katharina Eglau

 

 

Fotojournalistin Katharina Eglau in Aktion © Katharina Eglau

Fotojournalistin Katharina Eglau in Aktion © Abdullatif Bawaki

 

Jüdisches Leben im Jemen © Katharina Eglau

 Jüdisches Leben im Jemen © Katharina Eglau

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

VHS-Leiterin Monika Schwidde (li) und Museumsleiterin Sonja Langkafel (re) mit der Referentin Charlotte Wiedemann in der Ausstellung "Bildergeschichten - Der Nahe Osten und wir"

VHS-Leiterin Monika Schwidde (li) und Museumsleiterin Sonja Langkafel (re) mit der Referentin Charlotte Wiedemann in der Ausstellung "Bildergeschichten - Der Nahe Osten und wir"

 

 


 

verlängert bis 09.08.2020

Bildergeschichten – Der Nahe Osten und wir

 

Präsentiert vom Städtischen Museum in in Kooperation mit der Volkshochschule im Kreis Herford und dem Diakonischen Werk im Ev. Kirchenkreis Herford e.V.

 

Eröffnung am 15. Februar um 16:30 Uhr

 

2010 begann in Tunesien der „Arabische Frühling“, der auf viele Länder des Nahen Ostens übergriff. Er leitete einen tiefgreifenden Umwandlungsprozess in der Region ein, der auch erhebliche Auswirkungen auf uns in Europa hat.
Der Nahe Osten wird vor allem als Krisenregion und Verursacher der „Flüchtlingskrise“ wahrgenommen. In Kooperation mit der Volkshochschule und dem Diakonisches Werk im Ev. Kirchenkreis Herford e.V. stellt das Museum dieser Betrachtungsweise eine umfassendere Sicht auf die Region und das Thema Flucht entgegen.


Das Städtische Museum präsentiert Fotografien von Katharina Eglau, die bereits seit 2008 Menschen, Kultur und Landschaften im Nahen Osten dokumentiert. Ihre Fotostrecken vermitteln auf eindrucksvolle Weise das Alltagsleben in der Region sowie deren religiöse Vielfalt. Auch zeigen sie das dortige Weltkulturerbe, das Ausdruck eines faszinierenden Geflechts von Kulturen ist und uns die Wiege der Zivilisation vor Augen führt.

Dem Blick der deutschen Fotojournalistin auf den Nahen Osten wird der Blick von Geflüchteten auf Herford an die Seite gestellt. In einem Workshop für digitale Fotografie, den das Museum zusammen mit der Volkshochschule anbietet, werden Geflüchtete die Stadt erkunden. Auf ihre Bildergeschichten von Herford darf man gespannt sein.


Ein Foto-Portrait-Projekt fand 2016 im Rahmen der NRW-Förderung mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen statt. Es kooperierten die Jugendkunstschule Löhne und das Kinder- und Jugendzentrums Riff mit den Schüler*innen aus der internationalen Lerngruppe der Bertolt-Brecht-Gesamtschule. 2017 konnten die Kooperationspartner in der Ausstellung „Gesichter_Geschichten“ ihre Arbeit in der Städtischen Galerie Löhne zeigen. Das Städtische Museum integriert einzelne Werke von 2017 und den Film zum Workshop in die aktuelle Ausstellung.

Zeitgleich mit „Bildergeschichten“ wird die Porträt-Ausstellung Mensch in Herford in der Stadtbibliothek gezeigt. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt von Philipp Külker und Jürgen Escher (Fotografie), Hans Koch (Artdirector, Organisation) sowie Katja Maas (Organisation). Sie veranschaulicht die gelungene Integration von Zwangsmigranten und Zugewanderten in Herford.

Die Homepage der Künstlerin Katharina Eglau

 Gefördert vom Ministerum für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW

 

 

 

Ausstellungseröffnung

Samstag, 15. 02. 2020, 16.30 Uhr

 

Begrüßung: Sonja Langkafel, Museumsleiterin

 

Grußwort: Bürgermeister der Stadt Herford

 

Einführung: Martin Gehlen, Nahostkorrespondent

 

Musikalische Begleitung: Hosam Abrahim, Oud-Spieler aus Syrien


 

Führungen

Leider können zur Zeit keine Führungen angeboten werden.

 


 

REISEN HEISST WISSEN

Die Asienreisende und Fachbuchautorin Charlotte Wiedemann las im Pöppelmann-Haus.

Von Michael Girke


„Europa ist die Mutter unserer Probleme“. So lautete eine der überraschenden Einschätzungen, welche Charlotte Wiedemann von ihren Reisen durch den Iran mit nach Deutschland gebracht hatte.
Der Satz ist aktuell und wird vor allem von Menschen geäußert, die vor Jahren Hassan Rohani als Präsident des Landes wählten, verbunden mit der Hoffnung, dass es mit ihm eine größere Liberalisierung der Lebenswelten geben möge – und eine Befriedung der höchst angespannten politischen Lage in der Region.


Der Abschluss des Pariser Atomabkommens, in welchem sich der Iran zur begrenzten Nutzung der Atomkraft verpflichtete, schien diese Hoffnungen zu bestätigen. Doch dann kündigte der amerikanische Präsidenten Trump es auf, und die Europäische Union trat dem niemals entschieden und spürbar entgegen, so dass der Iran inzwischen nicht nur das Abkommen, sondern überdies auch jegliche Annäherung an den Westen ad acta gelegt hat. Nur einer der vielen Einblicke, den die renommierte Expertin Wiedemann dem Publikum am 25. Februar im Daniel-Pöppelmann-Haus ermöglichte. Ein schöner Zug war, dass Wiedemann ausschließlich von dem ausging, was sie selbst bei ihren Reisen erlebt, bei zahllosen Alltagsbegegnungen mit Menschen erfahren hatte.


Besonders intensiv geriet der Abend paradoxerweise, als der eigentliche Vortrag längst beendet war und Wiedemann von neugierigen Fragen des Publikums geradezu bestürmt wurde. Woraufhin weit ausholende und kluge Einlassungen etwa über die sich seit etlichen Jahren fundamental veränderte Rolle der Frauen im Iran zu hören waren. Weil deren Bildungsmöglichkeiten und in der Folge ihr Einfluss auf die Gesellschaft sich zunehmend vergrößern, geht Wiedemann so weit, von einem „neuen Iran“ zu sprechen.


Ebenso tiefschürfend Wiedemanns Kommentare über den Umgang mit geduldeten und mit unterdrückten religiösen Minderheiten im Lande; oder darüber, wie die Geschichte des Landes und die Kolonialzeit sich auf das heutige Selbstempfinden, die Mentalität der Iraner und damit auch auf das Verhältnis zwischen Iran und Saudi-Arabien auswirken. Insgesamt demonstrierte der Abend mit Charlotte Wiedemann eindrücklich: die bei uns verbreiteten, zwischen Dämonisierung und Verklärung pendelnden Bilder des Irans, und überhaupt islamischer Lebenswelten, kranken an ihrer Oberflächlichkeit. Es bedarf also dringender Aufklärung.

 

 

 

GEGEN STEREOTYPE

Syrien, die Flüchtlinge und wir. Darüber klärte die Autorin Kristin Helberg im Pöppelmannhaus auf.

Von Michael Girke


Das mit Russland und Iran verbündete Assad-System werde den Sieg im syrischen Bürgerkrieg davon tragen. Eine Einschätzung der Buchautorin, Zeitungskorrespondentin und Nahost-Reisenden Kristin Helberg. Getroffen im Herforder Pöppelmannhaus, im Rahmen der dort derzeit gezeigten Fotografieausstellung über den nahen Osten. Für Syrerinnen und Syrer bedeute dies, so Hellberg weiter, dass sie auch weiterhin keine Bürger*innen mit entsprechenden Rechten, sondern lediglich Untertanen eines totalitären Regimes seien. Freilich werde dieser Bürgerkrieg nicht von innersyrischen Interessen bestimmt, Präsident Assad sei inzwischen ein willfähriger Satellit Russlands und Irans, seiner Hauptverbünden. Eigentlicher Konfliktsieger: Der Iran, dem Assad massiven Einfluss in der Region grantiere. Ob sie sich denn ein stärkeres westliches Engagement gewünscht hätte, wurde Helberg gefragt. Die Antwort war, angesichts der Desaster im Irak und in Lybien, ein eindeutiges Nein. Einzig sinnvolle Intervention laut Helberg: Ein UN-Blauhelmeinsatz, welcher allein der Zivilbevölkerung - etwa aktuell in Idlib - zugute kommen solle.


Zwar war die Veranstaltung im Pöppelmannhaus aufgrund der Corona-Krise nur spärlich besucht, doch vollbrachte Kristin Helberg es mit ihren in langen Korrespondentinnenjahren gewachsenen Einsichten immer wieder, das Publkum zu fesseln. Zumal, als es um das Verhältnis zwischen asylsuchenden Menschen aus Syrien und Deutschen ging. Folge aus dem Umstand, dass viele Syrer*innen gut ausgebildet und in ihrem Heimatland hochangesehen, hier aber in die Rolle von Bittstellern gerdrängt seien, nicht, dass sowohl unser staatlicher als auch individueller Umgang mit ihnen angemessener, würdevoller ausfallen müsse? Und: Wie diesen Menschen aus so ganz anderen Kulturen vermitteln, dass Frauen auf westlichen Film- und Werbebildern häufig als Objekte von Männerphantasien inszeniert werden, in der Wirklichkeit aber natürlich gleichberechtigte Individuen sind?


Um diese und etliche weitere dringliche Fragen kreisten die Texte und Ausführungen der Kristin Helberg. Die auch mit Kritik an der deutschen Einwanderungspolitik nicht sparte. Jahrzehnte der Erfahrungen mit Flucht und Imigration gebe es, so die Autorin, dennoch verweigere die Politik eine wirklich konsequente Gestaltung legaler Einwanderung. Und so gebe es eben bis auf den heutigen Tag beschämenderweise sehr viel mehr illegale, und das heißt oftmals: inhumane, menschenunwürdige Einwanderungswege als legale. Ein notwendiges Vademecum gegen Stereotype und gegen Indifferenz - das war diese Veranstaltung im Pöppelmannhaus.

Mehr Informationen : http://www.kristinhelberg.de/