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Die Wanderausstellung setzt mit der Ankunft britischer Besatzungstruppen in Westfalen am Ende des Zweiten Weltkriegs ein und spannt von dort den Bogen bis in die Gegenwart. Foto: LWL/Kutscher

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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In dieser Vitrine wird die besondere Beziehungsgeschichte zwischen Deutschen und Briten aufgegriffen, die sich beim Sport begegneten. Foto: LWL/Kutscher

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Medienstationen bieten den Besuchern einen Zugang über englisch- und deutschsprachige Interviews mit Zeitzeugen. Foto: LWL/Kutscher


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Beim Gang durch die Ausstellung fallen die gestapelten Paletten ins Auge. Wie die als Umzugskisten gestalteten Vitrinen, stehen die Paletten symbolisch für die regelmäßigen Versetzungen britischer Militärangehöriger. Foto: LWL/Kutscher

 

19.05. 2019 bis 14.07.2019

Briten in Westfalen

 

„Briten in Westfalen“ Eine Wanderausstellung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) in Zusammenarbeit mit der Stadt Paderborn, der Universität Paderborn, des Arbeitskreises ostwestfälisch-lippischer Archivare und des Altertumsvereins Westfalen, mit Unterstützung der Britischen Streitkräfte in Deutschland.

 

Die Wanderausstellung wird durch Leihgaben aus Herford sowie durch Exponate aus der Sammlung des Städtischen Museums Herford erweitert.

 

Vor über 70 Jahren kamen britische Militärangehörige als Sieger, Befreier und Besatzer nach Westfalen. Im Laufe der Jahrzehnte änderte sich das Verhältnis zwischen Briten und Deutschen. Der laufende Abzug des britischen Militärs aus Deutschland ist Anlass für den Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), mit der Wanderausstellung „Briten in Westfalen“ an acht Orten in Westfalen-Lippe zu zeigen, wie aus ehemaligen Kriegsgegnern Verbündete wurden. In einer Kooperation haben die Stadt Paderborn, das LWL-Museumsamt für Westfalen und der Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens die Schau erarbeitet, die Kuratorin Dr. Bettina Blum realisiert hat.

 

„Die Ausstellung schließt eine Lücke bei einem Thema, das für ganz Westfalen von großer Bedeutung ist und uns alle irgendwie betrifft. Dieses spannende Projekt, seine vielen Akteure mit ihrem tollen Engagement sollten beispielgebend sein“, erklärt LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. Die Erstpräsentation war bis Februar 2018 im Stadtmuseum Paderborn. Nun geht die Ausstellung auf Wanderschaft und wird bis im September 2019 an acht verschiedenen Standorten in Westfalen-Lippe zu sehen sein.

„Die Ausstellung verbindet in idealer Weise Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“, sagt Dr. Ulrike Gilhaus, Leiterin des LWL-Museumsamtes für Westfalen. „Dabei spannt sie den Bogen vom Politischen bis in den privaten Bereich. Wie begegneten sich Sieger und Besiegte? Was dachten Briten und Deutsche über ihre neuen Nachbarn? Wie gestaltete sich das Zusammenleben, beispielsweise in Vereinen und beim Sport? Wie kam es zu persönlichen Freundschaften und manchmal zu Eheschließungen? Und welche Rolle spielte dabei der Umstand, dass die britischen Militärangehörigen wegen Versetzungen oft nur kurz an einem Standort lebten?“

 

Wegen der häufigen Standortwechsel britischer Militärangehöriger sind Umzugskisten ein zentrales Gestaltungsmittel der Ausstellung. In ihnen werden zahlreiche Exponate gezeigt und erläutert. Sie verweisen darauf, dass die Zeit häufig knapp bemessen war, um nähere Beziehungen aufzubauen.

 

Von Besatzern zu Verbündeten

Die Briten kamen 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, als Besatzungsmacht auch nach Westfalen. Die Militärangehörigen sollten zu den besiegten Deutschen zunächst Distanz halten, was sich in der Praxis jedoch nicht aufrecht erhalten ließ. Um die Durchsetzung der eigenen Besatzungspolitik zu sichern, wurden Angehörige der alten nationalsozialistischen Elite aus ihren Ämtern entfernt und zum Teil interniert. Mit Hilfe eines Fragebogens wurden vor allem Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst „entnazifiziert“. Den Briten war darüber hinaus an einer Demokratisierung der deutschen Gesellschaft gelegen, wofür sie wichtige Impulse beispielsweise in der Kultur- und Sportpolitik setzten.

 

So veränderte sich allmählich das Verhältnis zwischen Briten und Deutschen. War ihr Umgang zunächst streng hierarchisch zwischen Siegern und Besiegten geregelt, so wurde ihr Verhältnis zunehmend von Kooperation auf Augenhöhe geprägt. Britische Militärangehörige, die mit ihren Familien einige Zeit in verschiedenen westfälischen Städten lebten, begannen sich für ihre neue 'Heimat auf Zeit' auch touristisch zu interessieren. Umgekehrt wurde es deutschen Jungendlichen ab den 1950er Jahren ermöglicht, im Rahmen von Austauschprogrammen neue Erfahrungen in britischen Gastfamilien zu sammeln. Nahe Begegnungen zwischen Briten und Deutschen führten in manchen Fällen auch zu Liebesbeziehungen. Eheschließung zwischen Deutschen und britischen Militärs waren in der Besatzungszeit der späten 1940er Jahre zwar erlaubt, im britischen Militär aber noch nicht gern gesehen.

 

Als roter Faden zieht sich durch die Wanderausstellung die Frage nach der besonderen Beziehungsgeschichte zwischen Deutschen und Briten, die sich in verschiedenen Zusammenhängen begegneten, zum Beispiel beim Sport.

 

Trotzdem blieb das Verhältnis von Briten und Deutschen auch von Distanz geprägt. Neben den vielen Standortwechseln lag das auch an der besonderen Funktionsweise des Militärs und in dessen Sicherheitsbedürfnissen. „Die Ausstellung nimmt auch diese Aspekte in den Blick“, erklärt Dr. Hauke-Hendrik Kutscher, der die Wanderausstellung beim LWL-Museumsamt betreut. „Das britische Militär bildete an den jeweiligen Standorten eine besondere Infrastruktur aus. Dort konnte man in der eigenen kleinen Welt unter sich bleiben, wenn man wollte. Oft haben die deutschen Nachbarn die britischen Siedlungen als eine fremde Welt wahrgenommen. In vielen Städten nannte man sie deshalb ‚Klein London‘.“

 

Nachdem die Briten angekündigt haben, ihr Militär vollständig aus Deutschland abzuziehen, stellt sich vielerorts das Problem, was mit den freiwerdenden Immobilien und Flächen geschehen soll. Mit der Frage danach, was von der britischen Militärpräsenz in Westfalen bleibt, wendet sich die Ausstellung der unmittelbaren Gegenwart zu und spannt so einen zeitlichen Bogen vom Beginn der Besatzung bis zum nahenden Abschied der britischen Truppen.

 

Die Ausstellung und ein ihr zugrunde liegendes Forschungsprojekt zu den Briten in Westfalen 1945 bis 2017 wurde in Kooperation und im Dialog mit Briten und Deutschen realisiert. Rund 200 Personen steuerten ihre Erfahrungen und Erinnerungen bei. „Als Zeitzeugen bringen sie eine unverzichtbare Perspektive ein. Den Besuchern bietet die Ausstellung Anknüpfungspunkte für eigene Erfahrungen mit Begegnungen zwischen Briten und Deutschen an, zum Beispiel als kurze Filmbeispiele und Tondokumente“, so Kutscher.

Die Ausstellung wird durch einen reich bebilderten wissenschaftlichen Begleitband ergänzt, der einzelne Aspekte aufgreift und vertiefend behandelt.

Flyer zur Austellung (PDF, 350 kb)