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 hellblaue Spirale auf dunkelblauem Grund

 

geometrische Malerei im Erdgeschoß der Halle

 

Halle mit Malerei, die Pilaster neben den Türen vortäuscht

 

Freitag, 14. Dezember 2012

Ganz nah am Forschungs- und Arbeitsprozess dran

Liebe Leser und Leserinnen,

 

das Bautagebuch lässt Sie fast eins zu eins an der denkmalgerechten Restaurierung der Villa teilhaben. Das heißt, Sie erleben auch den Diskussionsprozess mit, der die denkmalpflegerischen Entscheidungen begründet. Er ist nicht immer ganz einfach und führt häufig erst nach mehreren Runden mit wechselnden Fachleuten in die richtige Richtung. Und manchmal säumen diesen Weg auch Irrtümer. Nicht jede Spur wird auf Anhieb richtig gedeutet: Deshalb möchte und muss ich Ihnen heute ein paar neue Erkenntnisse mitteilen, die den Bautagebuch-Eintrag aus der letzten Woche betreffen.

 

Der erst vor kurzem freigelegte blaue Befund an der Kassettendecke muss nach eingehenderer Betrachtung und nach dem Urteil eines Kunstsachverständigen anders beschrieben und gedeutet werden: Es sind tatsächlich hellblaue Spiralen auf dunkelblauem Grund. Sie entsprechen in der Form der geometrischen Malerei, die Pilaster im Erdgeschoss der Halle vortäuscht. Diese hat ein Fachmann für Stilkunde eindeutig als reinen Jugendstil der geometrischen Richtung identifiziert. Er nimmt eine grundlegende Modernisierungsphase der Halle zwischen 1910 und 1914 an.

 

Die bauzeitliche Fassung ist nicht mehr zu rekonstruieren, da nur noch auf der Wand der Galerie eine ältere (wirklich bauzeitliche- ?) Farbschicht entdeckt werden konnte. Leider mussten wir feststellen, dass an der Holzdecke und dem Geländer ebenso wie an der Wand im Erdgeschoss ältere Farbfassungen im Rahmen von gründlichen Renovierungen verloren gegangen sind. Das ist sehr bedauerlich. Gleichzeitig bestärkt uns diese Befundlage und das Urteil des Kunstsachverständigen in unserem Ziel, den ästhetischen Charakter der Villa im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wiederherzustellen.

 

Viele Grüße und bis zum nächsten Mal. Bleiben Sie uns treu und lassen Sie doch auch Menschen in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis hautnah an der Restaurierung teilhaben: Senden Sie einen Link per Email (Schaltfläche auf der Seite oben rechts über dem Foto).

 

Ihre Sonja Langkafel