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Farbfunde und ein altes Stromkabel
 
 

Freitag, 8. Juni 2012

Unter weißer Farbe und Putz verborgen

Was ein Gebäude über seine Baugeschichte verrät, ist oft erst auf den zweiten Blick zu erkennen. 2009 haben ein Bauhistoriker und ein Restaurator die Villa Schönfeld deswegen gründlich unter die Lupe genommen. Da die Pläne aus der Bauzeit verloren gegangen sind, bedurfte es umfangreicher Sondierungsöffnungen im Mauerwerk. Sie sollten Klarheit über den ursprünglichen Grundriss und spätere Umbauten schaffen. Mit den Öffnungen im Mauerwerk konnte der Bauhistoriker  tatsächlich neun ehemalige Türöffnungen sowie einige nachträglich eingezogene Wände nachweisen.

Ein Restaurator rückte der Villa mit Skalpell und viel Geduld zu Leibe. Er legte in jedem Raum an mehreren Stellen unter dem letzten weißen Anstrich oder der jüngsten Tapetenlage in stundenlanger Feinarbeit Schicht für Schicht ältere Farbfassungen frei. Historische Fotos aus der Zeit von 1900 bis 1930 halfen, das Bild der historischen Raumhüllen zu vervollständigen: Unterschiedlich farbig gestaltete Decken und Wände korrespondierten seit der Bauzeit mit Parkett oder poliertem Steinfußboden. Später veränderten nachträglich angebrachte Stuckgesimse und –rosetten ebenso wie dekorative Rankenmalereien oder die eine Holztäfelung imitierende Wandmalerei im früheren Speisezimmer die Wirkung der Räume. Die dunklen kräftigen Farben der Bauzeit wurden im Laufe der Zeit fast überall durch hellere Anstriche ersetzt.

Im Unterschied zu Kirchen und Schlössern wissen wir bei Bürgerhäusern noch verhältnismäßig wenig über ältere Raumfassungen. Die gründliche baugeschichtliche und restauratorische Untersuchung der Villa Schönfeld hat da ein wenig Abhilfe geschaffen. Aber vor allem lieferten der Bauhistoriker und der Restaurator ganz wesentliche Grundlagen für das weitere planerische und denkmalpflegerische Handeln. Auch die laufenden Abbruch- und Demontagearbeiten werden selbstverständlich restauratorisch begleitet.