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Linoleum
 
 

Freitag, 13. Juli 2012

Überraschung unter alter Vitrine

Um den ursprünglichen Grundriss der Villa wieder herzustellen, wurden später zugebaute Türen wieder geöffnet. Hierbei machten die Handwerker eine überraschende Entdeckung: Eine schmale, in die ehemalige Türöffnung gestellte Vitrine bewahrte in ihrem Inneren nicht nur historische Zeugnisse vor dem Zugriff neugieriger Besucher, sondern unter ihrem Boden auch einen älteren historischen Fußbodenbelag. Das Foto zeigt neben den melierten PVC-Platten (Polyvinylchlorid-Platten) aus den 1960er Jahren einen türbreiten Streifen mit zwei unterschiedlich gemusterten Linoleumbelägen. Genau wie das auf der Galerie in der Oberlichthalle verlegte PVC (1) wurde das Linoleum auf den bauzeitlichen Dielenboden (2) aufgebracht. Erstere waren ausschließlich mit Kleber befestigt; die Linoleumbeläge am Rand zusätzlich genagelt (3), damit sich die Kanten nicht aufstellen.
Linoleum besteht zu einem Drittel aus Leinöl (lat. Linum und Oleum) und zu zwei Dritteln aus Naturharzen (z.B. Kolophonium) sowie organischen und anorganischen Füllstoffen (z.B. Korkmehl und Kalksteinpulver). Als Trägermaterial dient ein Jutegewebe (4). Entwickelt hat das moderne Material der englische Chemiker Frederick Walton 1860. Seit den 1880er Jahren setzte sich Linoleum auch in Deutschland immer mehr als Bodenbelag durch. Zunächst gab es nur einfarbiges Linoleum, dann wurden wertvolle Materialien wie Orientteppiche, Steinböden oder Parkett durch Aufdruck von entsprechenden Mustern imitiert. Um die Jahrhundertwende setzte sich in Deutschland eine moderne Gestaltung mit Einflüssen aus Jugendstil, Art Déco oder Neuer Sachlichkeit durch. Die Bewohner der Villa orientierten sich bei der Gestaltung ihrer Räume ganz offensichtlich an den aktuellen Designmoden. Die mehrfarbige, geometrische Musterung der entdeckten Linoleumböden zeigen dies ebenso wie die Jugendstil-Schablonenmalerei unter der Decke der Galerie (siehe Beitrag vom 8. Juni).