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Grundriss mit Schornsteinen
 
 

Freitag, 10.August 2012

Ein behagliches Zuhause ...

hatte sich die Bauherrin Emilie Schönfeld gewünscht, als sie ihren Mann bat, für ihre Mutter, sich und Sohn Heinrich „ein kleines Haus zu bauen, in welchen wir behaglich wohnen könnten“ (aus ihrer selbst verfassten Lebensbeschreibung). Die Wirklichkeit sah anders für sie aus. In ihren autobiografischen Aufzeichnungen heißt es weiter: „Neujahr 1876 zog ich mit meinem lieben Sohne, meiner Cousine Emma und der Köchin in das große noch wüste Haus. Gemütlich war das nicht, im Gegenteil sehr unbehaglich.“ Die Einrichtung war sicherlich noch nicht ganz fertig; die Krankheit und der Tod ihres Ehemannes hatten dafür wohl nicht genügend Zeit gelassen und lasteten noch auf der Familie. Im März 1876 gab Emilies Mutter ihr Haus in Lemgo auf und zog zu ihrer Tochter nach Herford. Kaum, dass die Frauen sich mit den neuen Verhältnissen arrangiert hatten, brachte der Brand der Schönfeldschen Spinnerei, der auch das Wohnhaus von Emilies Schwager und Schwägerin zerstörte, weitere Turbulenzen und neue Mitbewohner in die Villa. Drei ehemals selbständige Haushalte teilten sich nun das Gebäude oder – mit Emilies Worten gesagt – „mussten nun in einem Topfe kochen“. Groß genug war das Haus mit seinen rund 400 qm Wohnfläche im Erd- und Obergeschoss schon, aber sein räumlicher Zuschnitt war der eines repräsentativen Einfamilienhauses, und es gab nur eine Küche. Emilie beschreibt die Situation wie folgt: „Jeder musste einen Teil seiner Selbstständigkeit aufgeben, wenn wir in Frieden zusammen leben wollten. Wir haben uns nicht gezankt, aber zufrieden und glücklich haben wir uns nicht gefühlt.“

 

Die technische Ausstattung dürfte, im Gegensatz zur Raumstruktur, nicht an der Unbehaglichkeit schuld gewesen sein. In der Küche gab es – wie alte Baupläne zeigen – zwei Schornsteinzüge (im Plan mit „S“ gekennzeichnet) für den Betrieb eines modernen Küchenofens. Weitere fünf Schornsteinzüge – vier davon in den Ecken der großen Halle – dürften anfänglich die Beheizung der Räume durch Öfen gewährleistet haben. Ein historisches Foto der repräsentativen Oberlichthalle (siehe „Villa Schönfeld – Geschichte“) lässt vermuten, dass die Familie Schönfeld später eine Zentralheizung hat einbauen lassen. Erkennbar ist die an den Wänden umlaufende, durchbrochene Verkleidung im unteren Bereich der Wände, hinter der sich Heizkörper befunden haben könnten.