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 Eingangstür mit Verzierungen im Stil der Neorenaissance

 

Türfutter mit freigelegten historischen Farbfassungen
 

 

Freitag, 14. September 2012

Die Baustelle ruht ...

... aber nur für kurze Zeit. Handwerker und eine Reinigungsfirma bereiten den "Tag des offenen Denkmals" vor. Die hölzernen Einbauten, die einige bauzeitliche Türen verschlossen haben, überflüssig gewordene Isolierwolle und überzählige Backsteine werden entsorgt oder sorgsam für die spätere Verwendung zur Seite gelegt. Industriestaubsauger kommen zum Einsatz, um den feinen, über Wochen angefallenen Steinstaub zu beseitigen. Die noch offenen Leitungskanäle werden zur Sicherheit der Besucher abgedeckt.

Der bundesweite "Tag des offenen Denkmals" – der neunzehnte in Deutschland – steht in diesem Jahr unter dem Motto "Holz". Deswegen geht es heute im Bautagebuch nicht um die aktuellen Bauarbeiten, sondern um Dinge, die in der Villa aus Holz sind, die vorgeben, aus einer anderen Holzart zu sein, als sie tatsächlich sind, oder die nur so tun, als ob sie aus Holz sind. Beginnen wir mit dem, was sich schon vor Betreten der Villa dem Auge zeigt: Eine aufwändig im Stil der Neorenaissance gestaltete Eingangstür, die im Rahmen der Außensanierung 2004/05 bereits restauriert wurde; Fensterschlagleisten, die mit Kannelierungen (Rillen) und geschnitztem Kapitell ähnlich verziert sind.

Das Augenmerk auf Holz gerichtet, fallen in der Villa derzeit vor allem neben einigen historischen Türrahmen die Treppen- und Galeriegeländer auf. Die restauratorischen Untersuchungen haben gezeigt, dass sich unter dem heutigen weißen Anstrich Geländerpfosten und -stäbe aus Eichenholz verbergen. Die Türfutter dagegen sind aus hellem Nadelholz – auf dem Foto über der „0“ zu erkennen. Um die Türen optisch an die eichenen Bauteile anzugleichen, wurde der dunkelbraune Farbanstrich durch eine Maserierung (Holzimitation mit malerischen Mitteln) optisch aufgewertet – auf dem Foto über der „1“ zu erkennen.

Die Technik der Maserierung kann nicht nur auf Holz, sondern auch auf Metall, Gips oder Putz angewendet werden. Im ehemaligen Esszimmer der Villa findet sich hierfür ein beeindruckendes Beispiel. Ein Maler hat nur mit Farbe eine Eichenholztäfelung nachgeahmt. Breite dunkelbraune Farbfelder, die mit einem Maserierungskamm bearbeitet worden sind, wechseln sich mit schmalen dunkelbraun lasierten Feldern ab. Die breiten und schmalen (kann wegfallen) Felder sind durch schwarze Linien voneinander getrennt, um den Eindruck einer Nut-Feder-Verbindung zu erwecken. Die Holzimitationsmalerei umfasst den gesamten Raum auf einer Höhe von 1,47 m; den oberen Abschluss bildete eine Profilleiste aus Holz, die die optische Täuschung verstärkte.