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 Büste des Firmengründers Friedrich Ludwig Schönfeld

 

Arbeitszimmer von Heinrich Schönfeld

 

Freitag, 12. Oktober 2012

Firmengründer in Gips gespendet

Während der Planungs- und Restaurierungsarbeiten ist die Forschung zur Nutzungsgeschichte der Villa und zum familiären und wirtschaftlichen Kontext, in dem sie entstanden ist, weiter fortgeführt worden, ebenso die Suche nach Exponaten. Die Erfolge dieser Arbeit werden in den nächsten Wochen immer einmal wieder das Bautagebuch bereichern und den Blick in die Zukunft des Gebäudes als Museum lenken. 

 

Die Büste von Friedrich Ludwig Schönfeld, der 1834 die für eine Spinnerei umgebauten Gebäude und das Areal des ehemaligen Damenstiftes kaufte, ist dem Städtischen Museum von Nachfahren der Familie Schönfeld gespendet worden. Friedrich Ludwig Schönfeld ist der Stammvater der Herforder Schönfelds, die über vier Generationen in der Stadt lebten und tätig waren.

 

Friedrich Ludwig Schönfeld wurde noch am Ende des 18. Jahrhunderts, am 2.11.1791 in Reelkirchen (Ortsteil von Blomberg) im Lippischen geboren. Sein Vater Johann Heinrich, der Sohn eines Pastors, wirkte über 60 Jahre als Pfarrer in Reelkirchen. Friedrich Ludwigs Mutter Charlotte, geborene Chapon, war ebenfalls Kind eines Geistlichen, nämlich des Pastors Gottlieb Friedrich Wilhelm Chapon aus Dessau, dem Erzieher der lippischen Fürstin Casimire.

 

Friedrich Ludwig Schönfeld wendete sich aber nicht, wie so viele Schönfelds, der Theologie zu, sondern absolvierte eine kaufmännische Lehre. Nach der Lehrzeit ging er acht Jahre nach England. Als er zurückkehrte, ließ er sich im Kalletal in Langenholzhausen nieder. Dort betrieb er eine Ölmühle und handelte mit Leinen. Innerhalb weniger Jahre erwarb Schönfeld vor allem mit dem Leinenhandel ein Vermögen von 60 000 Talern. Mit diesem Geld plante er, angeregt durch seine Erfahrungen in England, eine mechanische Werggarnspinnerei zu gründen. 1834 setzte er zusammen mit seinem Schwager diesen Plan in Herford um. Er starb 1865; die Spinnerei übernahmen seine drei Söhne, darunter Friedrich Heinrich Schönfeld, der für sich und seine Familie die Villa Schönfeld errichten ließ.

 

Friedrich Ludwig Schönfeld gründete nicht nur das erste Industrieunternehmen in Herford, das Jahrzehnte lang erfolgreich bestand und der größte industrielle Arbeitgeber in der Stadt war. Er bekleidete auch das Amt eines Presbyters in der reformierten Gemeinde. Für das Jahr 1847 ist er als Magistratsmitglied nachweisbar und 1848 war er einer der Herforder Wahlmänner für die Frankfurter Nationalversammlung. Außerdem betätigte er sich als Herforder Abgesandter in der Handelskammer zu Bielefeld.

 

Die Büste auf profiliertem Rundsockel steht in der Tradition der klassizistischen Porträtbüsten eines Christian Daniel Rauch (1777 – 1857). Sie hatte noch im Arbeitszimmer seines Enkels Heinrich Schönfeld einen Ehrenplatz auf dem Eckschrank gleich neben der Bleistiftzeichnung von der Spinnerei. Über dem Sofa hängt über dem Miniaturporträt seiner Ehefrau Elise das Ölgemälde seines ältesten Sohnes Friedrich Heinrich. Die Fotografie im ovalen Rahmen rechts neben der Büste stellt seine Schwiegertochter Emilie Schönfeld dar.

 

 

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